Stop Kühlschrankheizung!

Der Autohersteller VW hat sich dabei ertappen lassen, wie er Prüfnormen sehr frei ausgelegt hat. Und darüber hinaus gegangen ist, um möglichst gute Zahlen abzugeben, im Kampf um Schadstoffklassen, Verbrauchsangaben und Gewinnmargen.
Das ist ein Einzelfall!
Die Lebenserfahrung sagt: Kann nicht sein.
Ist auch nicht:

Hier und heute: 

Der Kühlschrank, ein VW in Deiner Küche


Ein Fall kreativer Auslegung von Prüfbedingungen findet sich in der Küche und im Keller: Der Kühlschrank und Gefrier-Kühlgeräte.
Gut ist, dass die Isolierungen der Geräte immer effektiver wurden, die Geräte immer effizienter kühlen können.
Könnten.

Das Ziel:

Immer mehr Plus-Sterne „+++“ auf der eisigen Heldenbrust zum Wohlgefallen des Verbrauchers.
Das Problem: Billig muss es für den Hersteller sein. Und Komfortgewinn dem Kunden versprechen.

Kunstgriff:

Jeder moderne Kühlschrank mit Gefrierfach besitzt eine oder mehrere elektrische Heizungen im Innenraum.
Im Innenraum elektrisch heizen kann beim Kühlschrank nicht sein?
Doch, man fühlt es beim Anfassen. Oder man liest es in Wikipedia oder z.B. bei Hersteller Liebherr (macht die teuren Miele Kühlgeräte) auf seiner Webseite: „In diesem Beitrag wollen wir Ihnen heute darstellen, warum es in Kühlgeräten auch aktive Heizungen gibt und welche Aufgaben sie beim Kühlprozess haben.Zitat aus https://blog.liebherr.com/hausgeraete/de/macht-eine-heizung-im-kuehlschrank/#comment-1209

Wieso?

Wegen der guten Isolierung springt der normale Küchen-Kühlschrank nicht mehr oft genug an, um ein 4-Sterne-Fach zuverlässig kalt zu halten, meint der Hersteller.

Also wärmt man den normalen Kühlschrankbereich elektrisch an, damit der Kompressor öfter lauft!
Aber das ist nur ein Grund ...

Ist das nicht teuer?

Das kostet den Kunden viel Strom (ca. 50 Euro im Jahr für ein kleines Gerät) aber so spart sich der Hersteller einen zweiten Thermostaten im Gefrierbereich für vielleicht 15 Euro. Plus bessere Zwischenisolierung zum normalen Kühlraum gespart.

Die Kosten:

Die Innenraumheizung nehmen wir an mit rund 20 Watt. Eine bestimmte Menge Wärme abführen, kostet etwa 1,5 fach Strom für den Kompressor. Also 20 Watt elektrische Innenraumheizung plus 1,5 mal so viel für den Kompressor, um die Wärme wieder los zu werden, das sind rund 50 Watt, dauerhaft, der Stromzähler läuft.
Obendrauf kommt dann der „normale“ Kühlvorgang. Also den Einkauf auf Temperatur bringen, hygienisch Gemüse lagern, den Wein und die Joghurts kühl halten.

Schwierigkeit:

Wie bekommt er nun die begehrten A+++ Auszeichnungen trotz des absurd hohen Stromverbrauchs?
Wie bei VW: Das Testverfahren nutzen!

Die Tests werden bei über 20 Grad*) gefahren, da schaltet die Heizung gezielt aus.

Steht der Kühlschrank aber kühl im Vorratsraum oder Keller, wie man es über die Jahrzehnte gelernt hat zu tun, so wird er dauernd beheizt, von innen. „Aktive Heizung“, Liebherr nennt es so und meint eine Stromheizung im Kühlschrank.
Und das kostet, taucht aber im Test und im Prospekt nicht auf.
Wegen Prüfverfahren, die den umgebungskühlen Keller unter 20 Grad nicht kennen!

Dann müsste zu genau diesem Zweck ein extra Außentemperaturfühler eingebaut werden, der die 20 Grad beim Test erkennt? Ja tatsächlich, den gibt es wirklich: Das Liebherr Hausgeräte Info-Center schreibt: „Grundsätzlich befindet sich der Temperaturfühler für die Außentemperatur in der Elektronik. Viele Grüße, Ihr Liebherr Hausgeräte Info-Center
Quelle: https://Liebherr/hausgeraete/de/macht-eine-heizung-im-kuehlschrank/#comment-1209

Weitere Heizungen sind üblich(!) für das regelmäßige Abtauen im laufenden Betrieb, das regelmäßige elektrische Heizen des Innenraumes gegen Beschlag mit Kondenswasser sowie die Heizung der Türdichtung, umlaufend auf ganzer Länge, damit sie nicht festfriert.

In einem Telefonat mit einem versierten Miele-Techniker versicherte mir dieser, dass heute mindestens 4 elektrische Heizungen in größeren Geräten üblich sind, in kleinen oft mehrere.

Das kostet den Verbraucher im realen Betrieb viel Strom, versaut die Umwelt (CO2 für Stromerzeugung). Eine gigantische Verschwendung!
Der Hersteller hingegen kann mit dem Test in der Jackentasche den Komfort eines großartigen Kühlschranks verkaufen, der das beste A+++-Energie-Prüfsiegel trägt und (im Prüfbetrieb) kaum Strom verbraucht!

Das ist dann wie bei VW: Den Buchstaben nach ist eigentlich alles korrekt.

Geht das auch anders?

Ja: Im Gewerbebereich ist das mit der perversen Elektroheizung im Kühlraum unzumutbar, findet Liebherr(!):
Recht clever gelöst ist übrigens die Heizung der Verdampferröhren im Gewerbebereich: Würde hier eine elektrische Heizung eingesetzt, würde das zusätzlich Strom kosten und die Abtauphase deutlich länger dauern. Hier haben Liebherr-Ingenieure eine clevere Lösung entwickelt: Durch die Nutzung des eh anfallenden Heißgases wird praktisch keine zusätzliche Energie zum Heizen verwendet[...]
Soweit das Zitat aus: https://blog.liebherr.com/hausgeraete/de/nofrost

Diese Aussage ist angreifbar, es bleibt jedoch festzustellen:
Offensichtlich sind zusätzliche Stromkosten durch Innenraumheizungen im Kühlschrank nur dem dämlichen Verbraucher zuzumuten, der kann nicht so gut rechnen wie „im Gewerbebereich“, dort benutzt man die Abwärme des Kompressors.

"Würde hier eine elektrische Heizung eingesetzt, würde das zusätzlich Strom kosten".  Genau! Geiler wirds nicht, Du Opfer! 

Ich glaube das nicht! Kann man das nachlesen?

(Alle Stand 11/2015):

https://de.wikipedia.org/wiki/Kühlschrank :
„Kühlschränke […] haben daher häufig eine Heizung in Nähe des Thermostaten im Kühlraum“

https://blog.liebherr.com/hausgeraete/de/macht-eine-heizung-im-kuehlschrank/#comment-1209
(falls das gelöscht wird: WayBackMachine https://archive.org/ nutzen)

https://blog.liebherr.com/hausgeraete/de/nofrost/ :
„[...] „NoFrost“-Technlologie […] eine elektrische Heizung übernimmt den Abtauvorgang.“

Ein Schelm, wer bei dem Vertipperwort „Technlologie“ an Verbesserungsbedarf denken tut.

Was kann man tun?

Nie kombinierte Geräte kaufen und gezielt auf „Komfortlösungen“ ohne Abtauen und Schnick und Schnack verzichten.
Und nachfragen, der Hersteller kann nur verkaufen, was der Kunde "aktiv" kauft.

Eine zweite Lösung: Heizung ausschalten.

Lange habe ich meine Kühlschrankelektrik analysiert. Die sitzt übrigens komplett hinter der Anzeige mit den Tasten drauf. Einfach mal herauszupfen (Netzstecker ab!).
Mein Kühlschrank hat einen Atmel Hochleistungscomputer auf einem Chip, der kann viel mehr und schneller, als die erste Mondlandung. Das hilft aber nicht weiter.
Schaltpläne habe ich nicht bekommen. Aber Naturwissenschaftler können bekanntlich mehr:

Bei meinem Miele K 12024 S (Hersteller Liebherr) muss man nur den 2-poligen, blauen Stecker auf der Platine abziehen, das wars.

Keine Probleme, nur Nutzen.
Dafür spare ich jetzt viel Geld und der CO2-Irrsinn ist abgeschaltet.
Den blauen Stecker abziehen - das wars
Stop Kühlschrankheizung! Geht doch!

*) Anmerkung Test: Bei konstant 25 Grad Celsius nach EN ISO 15502 / IEC 62552;
der Standard wird in Zukunft verbessert, jedoch, die Stromheizung im Kühlschrank bleibt erlaubt.

Text frei verwendbar unter CC BY 2.0 (https://creativecommons.org)

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